1918-1945 - Schleswig-Holstein und Japan

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1918-1945

1918-1945
Zu Beginn des esrten Weltkrieges lebten etwa 1.000 Deutsche in Japan,  400 in Tokyo und Yokohama und 350 in Kobe. Sofern sie nicht nach Deutschland zurückkehrten oder zur Verteidigung nach Tsingtau gingen, durften sie in ihren Wohnungen oder Häusern bleiben und standen unter dem Schutz der schweizerischen Gesandtschaft. Den Firmen war jegliche Geschäftstätigkeit verboten, ihr Vermögen wurde eingefroren.

Nach Kriegsende mussten die Beziehungen zwischen Deutschland und Japan völlig neu aufgebaut werden. Einige in japanischen Lagern internierte Soldaten, insbesondere  Rüstungs- und Waffenexperten, wurden von japanischen Rüstungsfirmen bereits vor der Entlassung Ende 1919 umworben und fanden in Rüstungsbetrieben eine Anstellung. Insgesamt blieben etwa 150 Soldaten in Japan. Nur wenige der deutschen Pionierfirmen wagten einen Neuanfang in Japan; die japanische Wirtschaft hatte sich so stark entwickelt, dass  "Pioniere" nicht mehr gebraucht wurden.

Die offizielle Wiederbelebung der deutsch-japanischen Beziehungen begann im Sommer 1920, als Reichspräsident Ebert mit Dr. Wilhelm Solf einen deutschen Botschafter nach Japan entsandte. Solf gelang es, an die früheren guten Beziehungen zwischen beiden Staaten anzuknüpfen und den Boden für neue Kontakte in der Politik, der Wirtschaft und Kultur zu bereiten. In dieser Zeit kamen zunehmend Vertreter und Fachkräfte  von großen deutschen Firmen, wie Siemens, Krupp und BMW nach Japan. Einige wenige Firmen, die in der Meiji-Periode zu den Pionieren gehörten, kehrten auf den japanischen Markt zurück, so z.B. Illies & Co., die Nachfolgerin der Pionierfirma L. Kniffler & Co., Simon, Evers & Co., H. Ahrens & Co. und Winckler & Co.

Auch die deutsche und japanische Marine knüpften frühere gute Beziehungen wieder an. Deutsche Marineoffiziere reisten nach Japan, und im Sommer 1926 besuchte der Kreuzer "Hamburg" für drei Wochen Japan. Der Kreuzer "Emden III" hat auf seinen neun großen Auslandsreisen dreimal Japan angelaufen. Die "Geschichte" der Beziehungen zwischen der deutschen und japanischen Marine scheint allerdings noch nicht geschrieben zu sein.

Ab 1933 und spätestens mit Abschluss des Antikomintern-Pakts 1936 änderten sich die Zielsetzungen in den deutsch-japanischen Beziehungen und damit auch die kulturpolitische Zusammnarbeit; vgl. hierzu auch Bieber, Hans-Joachim,"SS und Samurai", Iudicium-Verlag 2014. 

Über die aktive Mitwirkung von Schleswig-Holsteinern an der Gestaltung der Beziehungen zwischen beiden Staaten habe ich bisher nur einige Persönlichkeiten gefunden; vgl. Peter Janocha, "Spurensuche...". 
Hier ist der oben erwähnte Richard Heise zu nennen, der während des ersten Weltkriegs in Japan blieb und weiter unterrichten durfte. In seinen unveröffentlichten Tagebuchnotizen schrieb er: In der Handelsuniversität wie auch in der Adelsakademie konnte ich ganz ungestört wie früher meinen Unterricht fortsetzen. Meine japanischen Kollegen waren ebenso freundlich und höflich wie vor dem Kriege und auch über die Studenten zu klagen, habe ich nie den geringsten Anlass gehabt. Es war alles, als ob es gar keinen Krieg gäbe. 

An dieser Stelle ist auch auf den ebenfalls schon erwähnten Helmut Ketel aus Wedel hinzuweisen, der als Kriegsgefangener im Lager Narashino interniert war und nach der Entlassung in Japan blieb und später das erste deutsche Restaurant in Japan eröffnete.

Mit einigen Worten sollte auch Otto Becker  erwähnt werden, obwohl er in Japan keine Spuren hinterlassen hat. Becker wurde am 17. Juli 1885 in Malchow in Mecklenburg geboren; er studierte in Freiburg und Heidelberg Geschichte, promovierte 1909 in Berlin und reiste 1912 nach Japan. In der Stadt Okayama im südwestlichen Honshu, also abseits der Zentren Tokyo, Osaka und Kobe, unterrichtete er an der dortigen Kaiserlichen Hochschule Deutsch. Warum er in diese abgelegene Gegend ging, ist mir bisher nicht bekannt geworden. Bei Kriegsausbruch wurde er nach Tsingtau verpflichtet und geriet in japanische Gefangenschaft. Im Jahr 1920 kehrte er nach Deutschland zurück und erhielt im Jahr 1931 einen Ruf an die Kieler Universiät auf den Lehrstuhl für Neuere Geschichte. Er blieb in Kiel bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1953 und starb zwei Jahre später in Kiel. In Kiel hat er sich nur noch am Rande mit Japan beschäftigt; sein Hauptinteresse galt der Bismarck-Forschung. Sein umfassendes Werk zur Thematik Europa und Asien Ostasien im Ringen der Mächte wurde 1944 kurz vor der Veröffentlichung verboten. 
 



zuletzt aktualisiert am 15. Oktober 2017
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