Jan Kollwitz - Schleswig-Holstein und Japan

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Jan Kollwitz

1955-1994
Jan Kollwitz
Jan Kollwitz ist ein weit über die Grenzen Deutschlands bekannter Keramiker mit Wohnsitz in Schleswig-Holstein; er ist ein Urenkel von Käthe Kollwitz.
Jan Kollwitz wurde am 4. Juli 1960 in Berlin geboren; dort verbrachte er auch seine Jugend. Bereits 1973 im Alter von 13 Jahren wirkte er in der Fernsehproduktion "Sechs Wochen im Leben der Brüder G." mit.   Nach dem Abitur 1978 besuchte er drei Jahre die Schaupielschule und spielte danach noch ein Jahr Theater. 1983 gab Kollwitz seine Karriere als Schauspieler auf und begann  eine Ausbildung bei dem Keramiker Horst Kerstan in Kandern im Schwarzwald.  Nach Abschluss der Ausbildung 1985 ging Kollwitz „auf eigene Faust“ nach Japan, wo er in dem Keramik-Zentrum Echizen in der Präfektur Fukui bei Yutaka Nakamura zwei Jahre als Schüler arbeitete. Nakamura (geb. 1948) war schon damals ein international bekannter japanischer Keramiker. In Echizen lernte Kollwitz auch den Teekeramiker Kazu Yamada und über ihn den japanischen Ofenbaumeister  Tatsuo Watanabe kennen.
Das Foto rechts zeigt Jan Kollwitz mit einer Shakuhachi während eines Workshops mit dem Shakuhachi-Spieler Tadashi Tajima 2001 in der Kieler Ansgar-Kirche.


Im Jahr 1988 kehrte Kollwitz nach Deutschland zurück,  ließ sich in dem Städtchen Cismar in Schleswig-Holstein nieder und richtete dort eine Werkstatt ein. Im gleichen Jahr baute  ihm der Ofenbaumeister Tatsuo Watanabe einen original japanischen Anagama-Holzbrennofen. Ein Anagama  (Tunnelofen) ist meistens ein in einen Hang hinein gebauter Einkammer-Ofen, der mit Holz befeuert wird. Kollwitz gab dazu folgende Erläuterungen: 
Typisch für den holzgefeuerten Anagama-Ofen ist, daß Brand und Feuerung in einer gemeinsamen Kammer stattfinden. Die Keramiken werden unglasiert in den Brennofen eingesetzt und dann vier Tage lang ununterbrochen gebrannt. Rund um die Uhr wird ca. alle drei Minuten Holz in den Ofen geworfen. Bei Temperaturen um 1300°C verschmilzt die Flugasche mit dem Ton zu einer natürlichen Glasur, die je nach Standort des Gefäßes im Ofen von einem tiefen, klaren Grün bis zu einem hellen matten Beige variiert. Rauch und Flammen hinterlassen rote und graue Färbungen auf den Gefäßen, an manchen Stellen in Ofen entsteht ein tiefes Blau. („Berührungen mit Japan“, Ausstellungskatalog der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Schleswig-Holstein 2000)
 

Im Jahr 1987 hatte Kollwitz seine erste und bisher einzige Ausstellung in Japan, im Ausstellungsraum von Yutaka Nakamura in Echizen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland hat Kollwitz sieben Mal Japan besucht, um neue Impulse für seine Arbeit zu gewinnen und die Kontakte zu Kazu Yamada zu pflegen. Das Foto rechts zeigt Kazu Yamada (rechts) und daneben Jan Kollwitz während eines Besuches in Japan. Seit 1991 hat Kollwitz seine Keramiken auf zahlreichen Ausstellungen im Inland und im Ausland gezeigt; einen Überblick gibt es bei Wikipedia.
Keramiken von Jan Kollwitz findet man z.B im British Museum London, im Boston Museum of Fine Arts, im Israel Museum Jerusalem und natürlich in den führenden deutschen Museen, z.B. im Museum für Ostasiatische Kunst,  Berlin, im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg und in den Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen in Schloss Gottorf. Die Vorlagen für die beiden hier gezeigten Keramiken hat Kollwitz für den erwähnten Ausstel-lungskatalog der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellt. 

Im Jahr 2010 erschien im Wachholtz-Verlag ein Buch mit dem Titel Japan beginnt an der Ostsee - Die Keramik des Jan Kollwitz. Der Schriftsteller Christoph Peters hat den Lebensweg von Kollwitz aufgeschrieben, und der Hamburger Fotograf Götz Wrage hat das Buch illustriert. Im Jahr 2014 schrieb Peters, mit dem Kollwitz eng befreundet ist, den im Luchterhand-Verlag erschienenen Roman Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln, in dem er den Bau des Ofens in Cismar 1988 schildert.
zuletzt aktualisiert am 15. Oktober 2017
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