1995-2005 - Schleswig-Holstein und Japan

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1995-2005

1995-2005
Die Periode von 1995 bis 2005 war die bisher intensivste Zeit der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Schleswig-Holstein und Japan. Der Besuch einer ausländischen Delegation in der durch das Erdbeben so stark gezeichneten Stadt hatte für Kobe und für die Präfekturregierung eine besondere Bedeutung, auch wenn das Bundesland mit dem nahezu unaussprechlichen Namen Schleswig-Holstein dort praktisch unbekannt war.
Kobe war am 1. Januar 1868 für Ausländer geöffnet worden, und seitdem hatte Kobe  seinen Ruf, eine weltoffene Stadt zu sein, gepflegt und ausgebaut; die Weltoffenheit war eine Art "Markenzeichen" von Kobe.  Durch die starken Zerstörungen besonders im Hafenbereich  bestand die Gefahr, dass sich ausländische Handelspartner aus Kobe zurückziehen würden. Und so sahen die Verantwortlichen in Kobe in dem Besuch der Delegation aus Schleswig-Holstein ein erstes Zeichen für die Rückkehr der Ausländer. Ministerpräsidentin Heide Simonis  mit ihrer Delegation wurde daher in Kobe mit großer Freude und Dankbarkeit empfangen. Mit dem Gouverneur der Präfektur Hyogo wurde Einvernehmen erzielt, Gespräche über eine wirtschaftliche und darüber hinaus gehende Zusammenarbeit aufzunehmen. 
Im November 1997 kam Gouverneur Toshitami Kaihara mit einer politischen und wirtschaftlichen Delegation zu einem Gegenbesuch nach Schleswig-Holstein. Im Gästehaus der Landesregierung unterzeichneten die Ministerpräsidentin und der Gouverneur eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit (Bild rechts oben).
Seit Mitte der 1980er Jahre hatte ich versucht, an einem Kieler Gymnasium einen japanischen Sprachkurs einzurichten; nach mehreren Fehlschlägen war es im Jahr 1995 endlich gelungen. Partner war der damalige Direktor der Humboldt-Schule Dr. Hans Michael Kiefmann, der im Jahr 1993 mit einer Gruppe europäischer Lehrer und Lehrerinnen Japan besucht hatte. Anfang September 1995 trafen sich 13 Schülerinnen und Schüler der Humboldt-Schule, um bei Henriette Nishiura (ganz links) die japanische Sprache und Schrift zu lernen.

Gouverneur Kaihara besuchte während seines Besuches 1997 auch die Humboldt-Schule und vereinbarte  einen Schüleraustausch mit einer Highschool in Kobe. Bereits am 1. Oktober 1998 traten sechs Schülerinnen die Reise nach Kobe an, um zehn Tage am Unterricht an der Partnerschule Ashiya Minami Senior Highschool teilzunehmen und in japanischen Familien zu wohnen. Der stell-vertretende Direktor Norbert Blunck und einige Mitglieder der DJG Schleswig-Holstein begleiteten die jungen Damen auf ihrer abenteuerlichen Reise.

Im März 2000 kamen sechs Schülerinnen  aus Kobe zum Gegenbesuch nach Kiel, und bereits im September 2000 flog die zweite Gruppe aus Kiel nach Japan. Bis heute finden regelmäßig diese jährlichen Begegnungen zwischen Schülern und Schülerinnen aus Kiel und Kobe statt.                   
Nach dem Besuch von Gouverneur Kaihara in Kiel 1997 fanden zahlreiche Begegnungen zwischen Schleswig-Holstein und Hyogo statt; dazu zählten Messeteilnahmen in Osaka, nur 50 km von Kobe entfernt, kleinere Delegationen aus Japan in Schleswig-Holstein, Hospitationen und Kontakte zwischen Firmenvertretern. Allerdings gelang es nicht, die angestrebte  betriebliche Zusammenarbeit anzuschieben, und auch der erwünschte Technologietransfer blieb aus. 
Im Jahr 2000 unternahm Ministerpräsidentin Heide Simonis mit einer großen Delegation einen erneuten Anlauf. Auf der im Hafen von Kobe künstlich aufgeschütteten Insel Port Island sollte ein modernes Medizinzentrum entstehen, und die Landesregierung stellte dort in einer Großveranstaltung den Gesundheitsstandort Schleswig-Holstein vor. 
In den Folgejahren gab es weitere Kontakte mit Hyogo. Im Jahr 2001 fand in Kobe eine Konferenz mit den weltweiten Partnern von Hyogo statt, an der der Staatssekretär aus dem Kieler Wirtschaftsministerium Michael Rocca teilnahm. Außerdem beteiligte sich die Wirtschafts-förderungsgesellschaft (WTSH) an der parallel stattfindenden Industrieausstellung.  Im Oktober 2004 kam Gouverneur Toshizo Ido, der Nachfolger von Gouverneur Kaihara, mit einer Wirtschaftsdelegation und einer Delegation der Japanisch-Deutschen Gesellschaft Kobe nach Kiel und stellte den Wirtschaftsstandort Hyogo vor. Die feierliche Ausgestaltung des zehnjährigen Bestehens der partnerschaftlichen Zusammenarbeit im Jahr 2005 fiel ersatzlos aus. Da in Schleswig-Holstein 2005 Landtagswahlen stattfanden, war an eine hochrangige Delegationsreise nach Kobe als Gegenbesuch nicht zu denken.
Dennoch war das Jahr 2005 das Jahr mit den häufigsten und engsten Kontakten zu Japan. An dem "Deutschland-Jahr" in Japan 2005/2006 beteiligte sich Schleswig-Holstein zwar so gut wie nicht, dennoch gab es andere Ereignisse, die Japan der schleswig-holsteinischen Bevölkerung sehr nahe brachten. Das Schleswig-Holstein-Musik-Festival SHMF hatte 2005 Japan zum Partnerland gewählt, und so fanden landesweit Konzerte mit traditioneller und zeitgenössischer Musik statt. Museen, Banken  und sonstige Institutionen beteiligten sich mit Ausstellungen, Lesungen und weiteren kulturellen Veranstaltungen. Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Schleswig-Holstein feierte ihr 50jähriges Bestehen mit Japan-Tagen im Kieler Einkaufszentrum Sophienhof und mit kulinarischen und kulturellen Wochen im Kieler Hotel Steigenberger Conti Hansa.

Das Schleswig-Holstein Festival Orchester unter Leitung von Christoph  Eschenbach unternahm im Juli 2005 eine Japan-Tournee und gab Konzerte in Hiroshima, Kanazawa und Kobe. Die Chorakademie des SHMF war anlässlich der Expo 2005 in Seto in der Präfektur Aichi vom 13. bis 21. April 2005 zu einer Konzertreise in Japan. Schleswig-Holstein war im Rahmen der Beteiligung der Bundesländer auch auf der Expo vertreten.

Trotz der zahlreichen Kontakte in den ersten zehn Jahren der partnerschaftlichen Kontakte zwischen Schleswig-Holstein und Hyogo konnten betriebliche Zusammenarbeiten, die das eigentliche Ziel waren, nicht auf den Weg gebracht werden.
zuletzt aktualisiert am 15. Oktober 2017
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