Roland Schauer - Schleswig-Holstein und Japan

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Roland Schauer

1955-1994
Prof. Dr. med. Dipl.-Biochem. Roland Schauer wurde im Jahr 2012 von der Eckhart-Buddecke-Stiftung der Pro-Scientia-Förderpreis verliehen. Die Stiftung wurde im Jahr 2003 von dem international bekannten Biochemiker Prof. Dr. med. Eckhart Buddecke ins Leben gerufen und verleiht jährlich den mit 10.000 Euro dotierten Preis für hervorragende wissenschaftliche  Beiträge auf dem Gebiet der medizinischen Grundlagenforschung. Auf der Website der Stiftung heißt es: Der förderungswürdige Beitrag soll zeigen, dass mit Hilfe biochemischer, molekularbiologischer, immunologischer, glykobiologischer oder zellbiologischer Arbeitsmethoden neue Erkenntnisse über das komplexe Regelwerk der Lebensvorgänge gewonnen, genauere Einblicke in die Ursachen genetischer oder erworbener Erkrankungen erhalten und die Möglichkeiten ihrer kausalen Behandlung gefördert werden.  

Prof. Dr. Schauer hat diesen Preis in Würdigung seines wissenschaftlichen Lebenswerkes über Vorkommen, Struktur, Biosynthese und Funktion der Sialinsäure erhalten. In der Würdigung heißt es: Sein in über vier Jahrzehnten für die medizinische Grundlagen-forschung bedeutsamer und publizierter Erkenntnisgewinn rechtfertigt seinen Ruf als "Mr. Sialic Acid" und seine hohe inter-nationale Autorität.
Die Forschungsergebnisse sind in über 470 Publikationen der internationalen Fachwelt bekannt gemacht worden.
Roland Schauer wurde am 8. April 1936 in Stuttgart-Bad Cannstatt geboren. An das Medizinstudium in Tübingen (1955-1961) schloss er ein Studium der Biochemie (bis 1966 als Assistent) ebenfalls in Tübingen an. Im Frühjahr 1967 wechselte er an die neu gegründete Ruhr-Universität in Bochum und konzen-trierte sich auf die Erforschung der Sialinsäuren. Nach der Habilitation 1970 erhielt Schauer im Jahr 1976 einen Ruf als ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Biochemie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel; das Institut leitete er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2001.  
Während dieser 25 Jahre konzentrierte Prof. Schauer seine Forschungen auf das weite Feld der Sialinsäuren  und festigte seinen internationalen Ruf als Mr. Sialic Acid. Auch als Emeritus forscht Schauer unermüdlich weiter, tauscht neue Erkenntnisse mit seinen Kollegen in aller Welt   aus und gibt seine Forschungsergebnisse an seine Schüler und Kollegen weiter.
Im Jahr 2002 erhielt Prof. Schauer den "Lifetime Achievements in Sialoglycoscience Award" der Griffith University, Australien, und im Jahr 2009  den "Rosalind Kornfeld Award for Lifetime Achievements in Glycobiology" der amerikanischen Gesellschaft für Glycobiologie. Ihre Dankbarkeit für die weltweite Anerkennung stattete das Ehepaar Schauer ab durch die Errichtung der "Roland und Elfriede Schauer-Stiftung" beim Stifterverband im Dezember 2008; Zweck der Stiftung ist die Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Glyko-Biochemie mit Schwerpunkt der Sialinsäuren.
Im Rahmen  seiner internationalen Vortragstätigkeit besuchte Schauer häufig Japan und knüpfte zu japanischen Forschern enge fachliche und auch persönliche Kontakte. Wenige Jahre nach seinem Umzug von Bochum  nach Kiel trat er mit seiner Frau Elfriede in die Deutsch-Japanische Gesellschaft Schleswig-Holstein ein. Elfriede Schauer war  einige Jahre Schatzmeisterin im Vorstand der DJG und lernte viele Jahre Japanisch in den Sprachkursen der Gesellschaft. Auf den zahlreichen gemeinsamen Japanreisen auch in Regionen abseits der Touristikzentren waren die Sprachkenntnisse eine gute Unterstützung bei der Orien-tierung. In Vorträgen berichtete Schauer vor den Mitgliedern der DJG über die nichtwissenschaftlichen Ergebnisse seiner Forschungen und Japanreisen, wie hier z.B. über die gesundheitlichen Vorzüge des grünen Tees.
Die erste Japanreise von Roland Schauer fand im Jahr 1976 statt, als er an einem internationalen Kongress in Kyoto teilnahm. Im Jahr 1980 hat er erstmalig mit der Japanerin Kyoko Hotta gemeinsame Forschungsergebnisse publiziert, und 1985 führte ihn eine weitere Reise zu dem ersten internationalen Sialinsäure-Kongress nach Tokyo. Dort traf er wieder mit Prof. Tamio Yama-kawa zusammen, den er schon früher  kennengelernt hatte (Bild rechts).
Im Jahr 1988 organisierte Prof. Schauer gemeinsam mit Prof. Yamakawa einen deutsch-japanischen Sialinsäure-Kongress im neu eröffneten Deutsch-Japanischen Zentrum in Berlin. Yamakawa wurde später in Japan und weltweit als "Vater der Glycobiologie" bekannt, und im Jahr 2014 wurde ihm vom japanischen Kultusministerium die ehrenvolle Auszeichnung " Person of Cultural Merits" (Bunka Korosha) verliehen.

Wenn die meist knappe Zeit es erlaubte, widmete sich das Ehepaar Schauer seinem Hobby, die Verschiedenheit der Botanik in den Regionen Japans zu erkunden. Ein besonderer Höhepunkt war, als sie auf einer Urlaubsreise im Jahr 2010  mit dem Ehepaar Yoshino nach Hokkaido und zu den vorgelagerten Inseln Rebun und Rishiri auf der Insel Rebun die weiße japanische Orchidee Atsumorisou entdeckten.
Aus der langen Reihe von Kontakten zu japanischen Kolleginnen und Kollegen ist der Chemiker Prof. Teruo Yoshino von der International Christian University in Tokyo besonders hervorzuheben. Er war 1984/85 für ein einjähriges Sabattical in Kiel und kam seitdem fast jedes Jahr zu einem Besuch nach Kiel. Eine enge mehrjährige Zusammenarbeit verband Prof. Schauer mit Toshiaki Suguri, der von der Firma Snow Brand zu Beginn der 1990er Jahre mit seiner Frau zu Forschungszwecken nach Kiel abgeordnet wurde. Im August 1990 hielt sich der Mikrobiologe und Biochemiker Prof. Satoshi Oomura am Biochemischen Institut von Prof. Schauer auf. Im Jahr 2015 erhielt Prof. Oomura zusammen mit zwei weiteren Wissenschaftlern den Nobelpreis für Medizin für seine aus Bakterien entwickelten Medikamente für Parasitenkrankheiten. 

Prof. Dr. Roland Schauer fasste seine Forschungsergebnisse in einem Aufsatz im Frühjahr 2016 zu Ehren von Prof. Yamakawa zusammen:
Das Nachdenken über die Sialinsäuren bedeutet das Nachdenken über Japan und über seine Wissenschaftler, die nicht nur Partner in der Forschung waren, sondern auch Freunde.

In gleicher Weise gilt: Wer  in Japan auf dem Gebiet der Sialinsäuren forscht, hat Mr. Sialic Acid aus Kiel entweder durch seine publizierten Forschungsergebnisse oder persönlich kennengelernt. Aus Anlass des 80. Geburtstages von Prof. Schauer fand vom 23.-25. April 2016 in Bad Lauterberg ein internationaler Kongress statt, zu dem Wissenschaftler und Freunde aus aller Welt anreisten.
zuletzt aktualisiert am 15. Oktober 2017
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